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Rechte und Pflichten von Arbeitnehmern im Krankheitsfall

Das sind Ihre Pflichten im Krankheitsfall

Wenn Sie als Arbeitnehmer Ihre Berufstätigkeit aufgrund einer Erkrankung nicht mehr oder nur unter der Voraussetzung ausüben können, dass sich dadurch Ihr Gesundheitszustand weiter verschlechtert, dann sind Sie arbeitsunfähig. In diesem Fall sind Sie gegenüber Ihrem Arbeitgeber dazu verpflichtet, ihm Ihre Arbeitsunfähigkeit unverzüglich mitzuteilen.

(1) Die Krankmeldung

Tatsächlich wird im Arbeitsrecht häufig über eine ordnungsgemäße Krankmeldung gestritten. Viele Arbeitnehmer gehen zuerst zum Arzt, um sich eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zu holen, und informieren erst danach den Arbeitgeber. Das ist falsch und ein Verstoß gegen arbeitsvertragliche Pflichten. Die Krankmeldung muss zum Zeitpunkt des Dienstbeginns vorliegen, am ersten Tag Ihrer Erkrankung. Eine verspätete Meldung ist ein Grund für eine Abmahnung. Die Pflicht für eine zeitnahe Meldung ergibt sich aus § 5 EFZG (Entgeltfortzahlungsgesetz). Darin steht, dass sich Arbeitnehmer "ohne schuldhaftes Verzögern" und "unverzüglich" bei ihrem Arbeitgeber krank melden müssen. Auf diese Weise hat dieser eine Chance, für Ersatz zu sorgen.

(2) Die Krankschreibung

Im Gegensatz zur Krankmeldung muss die Krankschreibung dem Arbeitgeber spätestens nach drei Tagen vorliegen, sofern die Arbeitsunfähigkeit weiter andauert. Krankmeldung und Krankschreibung bemessen sich nach Kalendertagen und nicht nach Arbeitstagen. Von diesem Grundsatz kann es Abweichungen geben, die in einem Individualvertrag oder für alle Mitarbeiter des Unternehmens festgelegt sind. Der Arbeitgeber kann die sogenannte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung auch am ersten Tag der Erkrankung verlangen. Gilt diese Regelung für alle Mitarbeiter eines Unternehmens, bedarf sie der Zustimmung des Betriebsrates. Handelt es sich um eine Einzelfallregelung für einen Arbeitnehmer, ist die Zustimmung des Betriebsrates entbehrlich. Als Arbeitnehmer sind Sie an die mit Ihrem Arbeitgeber getroffene Regelung bezüglich der Krankmeldung gebunden. 

Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) kann nur von einem Arzt nach einer vorangegangenen Untersuchung ausgestellt werden. Sie wird mehrfach ausgefertigt. Das Original mit der Diagnose wird an die Krankenkasse geschickt, während der Durchschlag - aus datenschutzrechtlichen Gründen - ohne Diagnose der Nachweis für den Arbeitgeber ist. Das Original für die Krankenkasse enthält Daten über die Dauer der Arbeitsunfähigkeit, Daten der Krankenversicherungskarte des erkrankten Arbeitnehmers sowie den Namen des attestierenden Arztes und die verschlüsselte Diagnose. Erst die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung weist die Arbeitsunfähigkeit des Arbeitnehmers nach. Hat die Krankenkasse Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, kann sie den Medizinischen Dienst der Krankenkasse einschalten. Diese Möglichkeit steht auch dem Arbeitgeber offen. Er kann sich bei Vorliegen von Zweifeln an die Krankenkasse mit der Aufforderung wenden, den Medizinischen Dienst einzuschalten.

(3) Die Folgebescheinigung

Sofern Ihre Erkrankung über die in der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung angegebene Dauer hinausgeht, benötigen Sie eine Folgebescheinigung. Auch diese wird von Ihrem behandelnden Arzt ausgestellt. Sie sind verpflichtet, Ihren Arbeitgeber rechtzeitig über die Fortsetzung Ihrer Krankmeldung zu informieren. Rechtzeitig bedeutet, dass die Folgebescheinigung Ihrem Arbeitgeber spätestens am letzten Tag der bis dahin geltenden ersten Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorliegen muss. Fällt der vorläufig letzte Krankheitstag auf einen Freitag, dann dürfen Sie mit der Folgebescheinigung wegen des Wochenendes nicht bis zum Montag warten, denn der Nachweis der Arbeitsunfähigkeit muss lückenlos sein und darf nicht rückdatiert werden.

Häufig wird übersehen, dass Arbeitnehmer auch nach Ablauf des sechswöchigen Entgeltfortzahlungszeitraums ihre Arbeitsunfähigkeit durch die Vorlage einer ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nachweisen müssen. Das bedeutet, dass Sie als Arbeitnehmer auch dann Ihrem Arbeitgeber eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen müssen, wenn Sie keinen Anspruch mehr auf Entgeltfortzahlung haben.

(4) Der richtige Adressat für Ihre Krankmeldung

Das Gesetz sieht ausdrücklich vor, dass der richtige Adressat für Ihre Krankmeldung ausschließlich Ihr Vorgesetzter beziehungsweise Ihr Arbeitgeber ist. Das bedeutet, dass eine Krankmeldung bei einem Kollegen nicht ausreicht. Manchmal finden sich im Arbeitsvertrag interne Richtlinien oder Regelungen, in denen das Procedere im Falle einer Krankmeldung festgeschrieben ist. Diese Textpassagen im Arbeitsvertrag sollten Sie kennen, um diesbezüglich Fehler zu vermeiden. Die Krankmeldung ist an keine Formerfordernisse gebunden, sodass sie auch per E-Mail oder Fax verschickt werden könnte. Allerdings müssen Sie als Arbeitnehmer dafür sorgen, dass Ihre Krankmeldung Ihren Vorgesetzten sicher und persönlich erreicht.

(5) Die Krankmeldung im Urlaub

Haben Sie bereits Ihren Urlaub angetreten und werden während der Urlaubszeit krank, dann sind Sie nicht mehr urlaubsfähig. Um das nachweisen zu können, müssen Sie sich unverzüglich bei Ihrem Arbeitgeber krankmelden und sich eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung besorgen. Dies gilt auch, wenn Sie auf einer Auslandsreise sind. Allerdings genügen die im Ausland ausgestellten Papiere oftmals den deutschen Nachweispflichten nicht, weshalb Sie sich vorab über die für Ihr Urlaubsland geltenden Anzeige- und Nachweispflichten erkundigen sollten. Unter der Voraussetzung, dass Sie über einen entsprechenden Nachweis verfügen, werden die Urlaubstage für die Dauer der Erkrankung Ihrem Urlaubskonto wieder gutgeschrieben. Ihr Urlaub wird ab diesem Zeitpunkt ausgesetzt. Das bedeutet, dass die nachfolgenden Urlaubstage Krankheitstage und keine Urlaubstage sind. Das sollte Sie jedoch nicht dazu veranlassen, Ihren Urlaub eigenmächtig um die durch Krankheit verlorenen Urlaubstage zu verlängern. Dann handelt es sich um nicht genehmigten Urlaub, und das kann eine Abmahnung, wenn nicht sogar die Kündigung des Arbeitsvertrages zur Folge haben. 

Der weiterhin bestehende Urlaubsanspruch erlischt durch die Erkrankung nicht. Das gilt selbst dann, wenn Sie als Arbeitnehmer aufgrund einer längerfristigen Erkrankung dauerhaft krankgeschrieben sind.

(6) Sanktionsmaßnahmen bei fehlerhafter Krankmeldung

Wer als Arbeitnehmer gegen die Pflicht zur Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung verstößt, muss unter Umständen mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen, die schlimmstenfalls bis zur Kündigung reichen können.


Das sind Ihre Rechte im Krankheitsfall

(1) Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall

Als Arbeitnehmer haben Sie gemäß Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG) einen Anspruch auf Weiterzahlung des Lohns im Krankheitsfall, falls Sie bezüglich der Erkrankung kein Verschulden trifft. Der Anspruch auf Entgeltfortzahlung gilt nicht nur für Vollzeitbeschäftigte, sondern auch für Teilzeitarbeiter, Midijobber und Minijobber. Voraussetzung ist, dass Sie seit mindestens vier Wochen bei diesem Arbeitgeber durchgängig beschäftigt sind. Im Falle einer länger dauernden Erkrankung, zahlt der Arbeitgeber Ihr Gehalt weiterhin für die Dauer von maximal sechs Wochen.

Es gibt Ausnahmen von der Lohnfortzahlung bei Arbeitsunfähigkeit, die Sie als Arbeitnehmer kennen sollten:

Keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall haben Sie,

  • wenn Sie die Erkrankung selbst verschuldet haben, zum Beispiel wenn Sie betrunken einen Verkehrsunfall verursachen, oder sich willentlich den Anweisungen des behandelnden Arztes widersetzen und während einer Krankschreibung Leistungssport treiben, dann ist der Anspruch auf Lohnfortzahlung verwirkt. Dies gilt auch, wenn Sie eine Erkrankung selbst verschulden, weil Sie die betrieblichen Unfallverhütungsvorschriften missachtet haben.
     
  • wenn Sie die Arbeitsunfähigkeit lediglich vorgetäuscht haben. Diesbezüglich ist der Arbeitgeber in der Beweispflicht, was ihm allerdings schwerfallen wird. Ein Indiz für eine vorgetäuschte Arbeitsunfähigkeit kann zum Beispiel ein häufiger Wechsel des Hausarztes sein oder wenn die Krankheitstage immer in Verbindung mit Brückentagen oder vor beziehungsweise nach einem Wochenende auftreten.

(2) Anspruch auf Krankengeld

Sind Sie als Arbeitnehmer länger als sechs Wochen krankgeschrieben, dann haben Sie Anspruch auf Krankengeld, das von der gesetzlichen Krankenkasse gezahlt wird. Es fällt geringer als das eigentliche Gehalt aus. Das Krankengeld wird maximal für die Dauer von 78 Wochen für dasselbe Leiden gezahlt, unter der Voraussetzung, dass für diese Dauer eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung eines Arztes vorliegt. 
Krankengeld wird vor allem an pflichtversicherte Arbeitnehmer gezahlt, die stationär in einer Reha-Einrichtung oder in einem Krankenhaus behandelt werden und kein Gehalt von Ihrem Arbeitgeber beziehen. Diese Regelung gilt auch für Empfänger von Arbeitslosengeld I. Keinen Anspruch auf Krankengeld haben Ehegatten und Kinder, die in der gesetzlichen Familienversicherung mitversichert sind. Keinen Anspruch haben auch Empfänger von Arbeitslosengeld II, Praktikanten und Studenten, wobei Empfänger von Arbeitslosengeld II weiter die Grundsicherung erhalten.

(3) Aktivitäten während der Krankschreibung

Eine Krankschreibung bedeutet nicht automatisch, ans Bett gefesselt zu sein. Ohnehin fördert die Bewegung an der frischen Luft oftmals den Heilungsprozess. Das gilt zum Beispiel für eine Depression oder einen Burn-out, bei denen es wichtig ist, sich zu bewegen und aktiv zu sein. Deshalb ist während der Krankschreibung alles erlaubt, was die Genesung fördert. Das letzte Wort hat jedoch immer der behandelnde und krankschreibende Arzt. Er wird Ihnen sagen, welche Verhaltensweisen für Sie verträglich und gesundheitsfördernd sind und welche sie sein lassen sollten. Entscheidend ist, dass Sie als Arbeitnehmer durch Ihre Aktivitäten den Krankheitsverlauf nicht durch Ihr Verhalten negativ beeinflussen. Haben Sie zum Beispiel ein Rückenleiden, dann sollten Sie auf Gartenarbeit verzichten. Halten Sie sich trotz des Verbotes Ihres Arztes und trotz einer heftigen Erkältung oder Grippe bei nasskaltem Wetter im Freien auf, dann kann das den Krankheitsverlauf verschlimmern. Wichtige Besorgungen, wie das Einkaufen von Lebensmitteln, Ihr Kind zur Kita zu bringen, oder sogar auch mal ins Kino zu gehen, sind erlaubt, sofern es dem Heilungsprozess nicht schadet. Auch hier müssen Sie sich allerdings an die Anweisungen Ihres behandelnden Arztes halten.

Es ist wichtig, dass Sie als Arbeitnehmer nicht nur Ihre Pflichten, sondern auch Ihre Rechte kennen. Sanktionsmaßnahmen wiegen im Arbeitsrecht schwer und können bis zur Kündigung reichen.