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Go’s und No-Go’s am Arbeitsplatz – Knigge für Berufseinsteiger

Allein mit pünktlichem Erscheinen ist es nicht getan, wer als Berufsanfänger bestehen will, muss zahlreiche Regeln beachten – geschriebene wie ungeschriebene.

Dieser Tage ist es wieder soweit, es gibt Halbjahreszeugnisse. Für die, die im Sommer ihren Schulabschluss machen, sind diese Zeugnisse besonders wichtig, denn damit erfolgt in der Regel die Bewerbung um einen Ausbildungsplatz. Dessen Starttermin liegt zwar noch in weiter Ferne, doch angesichts der Flut an Dingen, die man als Berufseinsteiger beachten muss, ist das sogar ein Vorteil, denn es verbleibt mehr Zeit, um sich berufliche Go’s und No-Go’s im Langzeitgedächtnis einzuspeichern. Der folgende Artikel übernimmt den Info-Part und zeigt, was man tunlichst lassen sollte – und was auch durchgeht.

1. No-Go: Unangepasstheit

Die Bewerbung stößt auf offene Ohren und es kommt zum Vorstellungsgespräch. Wer dafür sorgen will, dass er die Stelle garantiert nicht bekommt, geht so dahin, wie er sich für ein Treffen mit Freunden kleiden würde. Bascap auf „halb acht“ und angesagte Klamotten sind vielleicht im Freundeskreis der Hit, aber sicher nicht im Bewerbungsgespräch.
Die goldenen Kleidungsregeln, mit denen man bei jeder Bewerbung punktet, lauten:

  • Dem Job entsprechend kleiden
  • Nur gebügelte Kleidung tragen
  • Niemals Turnschuhe oder Sneakers
  • Absolut keine Kopfbedeckungen
  • Gepflegtes Äußeres (Frisur, Nägel)
  • Kaum Make-Up
  • Piercings rausnehmen

Vor allem der erste Punkt erlaubt viele Freiheiten. Aber dabei sollte gelten, dass auch Handwerksberufe keine löchrigen Jeans beim Vorstellungsgespräch erlauben. Solange es sich nicht um Vorzeigeberufe wie bei Banken, Großunternehmen etc. handelt, fahren Jungs mit der Kombination „dunkle Jeans, Polohemd, Sakko“ immer gut – man kann es nämlich auch übertreiben. Und für Mädels passt ebenso eine Jeans mit einer dezenten Bluse und wenig Ausschnitt.

1. Go: Mit Können punkten

Zweisprachig erzogen worden? Seit Grundschultagen mit Papa alte Autos restaurieren? Jugendbetreuer im Sportverein? Wenn solche Hobbies explizit zum Beruf passen, sollten sie auf jeden Fall Erwähnung finden. Denn es zeigt, dass man sich, selbst wenn das Thema vielleicht nicht 100% auf die jeweilige Firma passt, nicht nur für die typisch-jugendlichen VMFS-Themen (Videospiele, Musik, Fashion, Sport) interessiert, sondern auch „brauchbare“ Interessen hegt.

2. No-Go: Jugendsprache

Arbeitsplatz Floristik
„Chabos“ wissen zwar, wer der „Babo“ ist – Kunden und Kollegen sind jedoch weder das eine noch das andere. Jungendslang, No-Go.

Völlig gleich ob die Gesellen untereinander einen rauen Ton pflegen oder ob man in einem Großkonzern mit drei Dutzend Gleichaltrigen die Ausbildung anfängt. Bei allem, was von beruflichem Interesse ist, hat Jugendsprache nichts zu suchen. Denn wer mit Slangwörtern, schlechter Grammatik und SMS-Sprech um sich wirft, erzielt nur, dass:

  • er für unreif gehalten wird
  • es Verständigungsprobleme gibt
  • man ihn nicht als vorzeigbaren Mitarbeiter ansieht

Das Problem daran ist, dass die Sprache sich rasend schnell ändert – und ältere Kollegen mit Begriffen aus der aktuellen Jugendsprache meist nichts anfangen können. Trotzdem glauben viele Jugendliche, dass gälte „je mehr Handwerk, desto lockerer“. Nichts könnte falscher sein. Denn gerade im Handwerk, wo es auf Kundenkontakt ankommt, ist ein guter Sprachschatz wichtig. Natürlich muss ein Rentner, der sein Auto zur Inspektion gibt, nicht mit hochgestochenen Worten empfangen werden, aber wenn ihm ein Azubi ein „Moment, ich check mal, wo der Babo is“ entgegenmurmelt und dann davonschleicht, um den Meister zu suchen, wird es kritisch.

2. Go: Interesse zeigen

Jeder Auszubildende wird, sobald erst mal das Neue verwittert ist, feststellen, dass es in seinem Beruf einen Haufen Dinge gibt, die er unglaublich langweilig findet. Darauf kann man (leider) nur antworten „Willkommen im Berufsleben“ denn praktisch jeder Job hat schöne und hässliche Seiten. Doch gerade als ein unter Dauerbeobachtung stehender Azubi wäre man schlecht beraten, auf öde Arbeiten mit sichtbarem Widerwillen zu reagieren.
Der Trick ist, einfach bei jedem Job Interesse zu zeigen – und auch guten Willen. Denn die Fähigkeit zu erlernen, auch Dinge sauber zu erledigen, die man eigentlich hasst, gehört ebenfalls zur Ausbildung. Auch wenn das auf keinem Ausbildungsplan steht.

3. No-Go: Alkohol

Natürlich gibt es in Deutschland Jugendschutzgesetze bezüglich des Alkohols – die sich auf die einfache Formel „Bier ab 16, Schnaps ab 18“ herunterbrechen lassen. Und genau so natürlich ist, dass viele Jugendliche bereits Erfahrungen mit Getränken haben, die sie eigentlich nicht haben dürften – darüber dreht sich die Diskussion jedoch nicht, sondern um etwas anderes. Im deutschen Berufsalltag gibt es nämlich keine feste Promillegrenze – die werden nur von einzelnen Arbeitgebern oder Berufsgenossenschaften erlassen.
Und deshalb fährt man, ganz gleich, wie es für den Ausbildungsberuf und das Alter aussieht, am besten, indem man freiwillig eine 0-Promille-Politik betreibt. Kein Sekt beim Kollegengeburtstag, kein Feiern wenn man am nächsten Tag arbeiten muss (Stichwort Restalkohol). Denn nur ein alkoholbedingter Fehlgriff kann einen nicht nur den Ausbildungsplatz kosten, sondern im schlimmsten Fall die Gesundheit. Wer das nicht glaubt, sollte einen Erwachsenen fragen, wie es sich anfühlt, wenn man nach einer durchfeierten Nacht mit einem „erstklassigen“ Kater sein Tagwerk verrichten muss.

3. Go: Zurückhaltung

In praktisch jeder Ausbildung wird der Tag kommen, an dem nicht viel zu tun ist und der Meister die Auszubildenden etwas fragt wie „wer kennt sich mit Gärtnern aus?“. Wer dann freudig den Arm hebt, darf wahrscheinlich „blumige“ Tätigkeiten wie das Moos-Kratzen aus den Steinen vor dem Firmeneingang übernehmen. Was so manchen jetzt vielleicht zum Grinsen bringt, sollte aber goldene Regel sein.
Egal ob Freiwillige gesucht, Kenntnisse erfragt werden. Wer sich zurückhält, erst mal zuhört und -schaut, nicht mit (vermeintlich) großen Vorkenntnissen protzt, kann auch nicht auf die Nase fallen – außerdem schätzen Chefs Bescheidenheit bei Berufsanfängern sehr viel höher.  Das soll nicht heißen, dass man nie freiwillige Arbeiten übernehmen sollte. Aber nur dann, wenn man diese auch sicher erledigen kann. Denn sonst wird aus dem Punkte-Bringer beim Chef sehr schnell ein Imageverlust.

4. No-Go: Der Kumpel-Faktor (1)

In aller Regel verbringt man als Azubi mit seinen Kollegen täglich mehr Zeit als mit den früheren Klassenkameraden. Und es ist ganz normal, dass sich dann schnell ein vertrauterer Umgangston einschleicht. Allerdings lauert hier der große Fauxpas, denn viele Auszubildende sehen das als Aufforderung, bei ihren eigentlichen Vorgesetzten einen kumpeligen Ton anzuschlagen – böser Fehler.
In der Frage „Duzen oder nicht?“ ist die beste Regel, jeden im Betrieb – erst einmal -  zu siezen. Gut, vielleicht nicht die anderen Azubis, aber vom Gesellen über die Büroassistenz sollte alles mit seriösem „Sie“ angesprochen werden – auch wenn die vielleicht zurück-duzen. Und von sich aus das Du anbieten sollte man auch nicht, denn das verstößt gegen eine der uralten, nirgendwo festgelegten Arbeitsregeln. Den Siez-Kreis brechen kann nur der Ranghöhere – und nur von sich aus.
Heikel ist das natürlich angesichts der „jungen“ Unternehmen, in denen jeder jeden duzt – etwa in der IT- und Kreativbranche. Doch auch hier fährt man am besten damit, so lange beim Sie zu bleiben, bis die Kollegen etwas erwidern wie „Sag bitte Du, sonst komm ich mir so alt vor“. Doch keine Panik, in solchen Betrieben bekommt man diese Du-Regel meist am ersten Tag erklärt. Übrigens, auch volljährige Azubis sollten nicht darauf bestehen, gesiezt zu werden – das kann einem schnell als Arroganz ausgelegt werden.

4. Go: Der Kumpel-Faktor (2)

Sprachlich kann es zu kumpelig sein – und natürlich auch im Verhalten. Was aber nicht bedeuten sollte, dass man jeden Tag mit einem sprichwörtlichen Kleiderbügel im Rücken verbringen sollte. Im Gegenteil.
Jede Firma ist ein Mikrokosmos eigener Regeln, die weiterreichen als das, was Arbeitsschutz und Co. vorgeben. Hier hinein gehört auch das eigene Verhalten. Wer es sich leichtmachen will, passt sich nach einer Eingewöhnungszeit (etwa zum Ende der auf vier Monate begrenzten Probezeit) einfach dem an, was „die Herde“ der Kollegen und Azubis tut.
An einem Beispiel ausgedrückt, wenn in der Firma der Casual Friday gehegt wird, wäre es unpassend, an diesem Tag dennoch im Anzug anzurücken – selbst wenn es während der restlichen Woche so gehandhabt wird. Ein guter Indikator sind immer die Auszubildenden älterer Jahrgänge. Sie waren auch mal in der Situation – können aber auf Augenhöhe und ohne kritische Distanz zwischen Azubi und Angestellten angesprochen werden.

5. No-Go: Den Gutgläubigen geben

Arbeitsplatz Kfz
Achtung Kfz-Azubis – auch wenn der Geselle es noch so logisch klingen lässt, es gibt definitiv keine „Kolben-Rückholfeder“.

In praktisch jedem Ausbildungsberuf gibt es Riten, die sind so alt, wie das System von Lehrling, Geselle und Meister. Sie alle haben immer zum Ziel, den Auszubildenden ein wenig „durch den Kakao“ zu ziehen, indem man ihm logisch klingende Aufträge erteilt, die aber gar keinen Sinn ergeben.
In Handwerksberufen wird dazu der Azubi beispielsweise gern aufs Lager geschickt, um „Amboss-Klangfett“ zu holen – mit der Begründung, dass damit ein Amboss eingeschmiert werden müsse, um beim Hämmern nicht zu zerspringen. Spielt der Lagerist mit, bekommt der Azubi ein bleischweres Paket überreicht und sieht sich kollegialem Gelächter gegenüber. Der Trick ist, die typischen Azubi-Reinlegetricks zu kennen:

  • Bilanzschnur / -waage (Bank- und kaufmännischer Bereich)
  • Steuerhinterziehungsformulare
  • Postzeichen-Entwerter
  • Behälter für Spannungsabfall (Elektrobereich)
  • Siemens-Lufthaken (halten ohne Befestigung)
  • Messing- oder Aluminiummagnete (beides nicht magnetisch)
  • Knackpatronen für Drehmomentschlüssel (Kfz-Bereich)
  • Gelbe Blinkerflüssigkeit

Das Problem an der Sache ist, dass jede Branche ihre eigenen Azubischerze hat und man alleine damit Bücher füllen könnte. Verhindern kann man das nicht – schließlich muss man als Auszubildender bei jedem Auftrag davon ausgehen, dass dieser ernst gemeint ist. Wenn aber:

  • der Kollege stutzt oder grinst
  • das zu holende Element extrem schwer und/oder ungewöhnlich sperrig ist
  • einem der Begriff spanisch vorkommt
  • man einen weiten Weg in Kauf nehmen müsste

sollte man unauffällig das Smartphone zücken und den Begriff googeln – andere Kollegen (auch Azubis) sollte man besser nicht fragen, die spielen bei solchen Scherzen nämlich meist mit. Und wird man trotzdem reingelegt, heißt es einfach „mitlachen“.

Fazit

Auszubildender zu werden ist für jeden ein großer Einschnitt im Leben. Im Prinzip lässt sich jedoch das optimale Verhalten auf einige wenige Formeln herunterbrechen. Wer sich zurückhaltend und bescheiden gibt, keine „große Lippe“ riskiert und alle Kollegen bei aller Freundlichkeit immer noch als Vorgesetzte sieht und behandelt, der hat in Sachen Benehmen nichts zu fürchten. Wer dann noch durch echte Arbeitsdisziplin punktet, wird die Lehrjahre auch mit Anstand überstehen.

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