
Während stundenlanges Autofahren für die einen ein notwendiges Übel ist, lieben andere genau das. In diesem Fall sollten Sie darüber nachdenken, ob Sie diese Leidenschaft nicht zum Beruf machen wollen. Zumal es zahlreiche Möglichkeiten zum Quereinstieg gibt. Gute Karten haben hier auch Ältere, die in vielen anderen Branchen schlechte Chancen haben. Wer seinen Führerschein vor 1999 gemacht hat, darf nämlich Lastwagen bis 7,5 Tonnen fahren, sogar mit Anhänger, solange das Gesamtgewicht 12 Tonnen nicht übersteigt. In vielen Bereichen ist die Nachfrage nach Fahrern hoch und die Arbeitsmarktchancen sind gut.
Hier die vorgestellten Berufe in der Übersicht:
Lastwagen transportieren immer mehr Güter auf Deutschlands Straßen. Die Gründe sind immer komplexer werdende Produktionsabläufe bzw. Lieferketten, das Wachstum des internationalen Handels, aber auch Veränderungen bei den Konsumgewohnheiten, die dann besonders Kurier-, Express und Paketdienste betreffen. Aber auch der Bedeutungsverlust des Güterverkehrs auf der Schiene spielt eine Rolle. Während in den USA mehr als 40 Prozent der Waren mit der Eisenbahn transportiert werden, sind es in Deutschland nur noch rund 17 Prozent.
Mit dem zunehmenden LKW-Verkehr einher geht eine gestiegene Nachfrage nach Fachkräften.
Wer LKW hört, denkt meistens zuerst an die riesigen Sattelzüge auf den Autobahnen. Tatsächlich ist der Güterfernverkehr ein wichtiger Einsatzort, allerdings gibt es auch zahlreiche Arbeitsplätze im Nahbereich. Schließlich müssen die Waren von Verteilzentren zu den Kunden gebracht werden, meist der Einzelhandel vor Ort. Außerdem suchen auch Bauunternehmen oder Städte und Gemeinden häufig Beschäftigte mit LKW-Führerschein.
Ein wichtiges Thema im Zusammenhang mit dem LKW-Verkehr, sind auch die Lenk- und Ruhezeiten, die vom Fahrer eingehalten werden müssen. Im Wesentlichen ist eine tägliche Lenkzeit von maximal 9 Stunden zulässig, wobei eine Verlängerung auf zehn Stunden zweimal wöchentlich möglich ist. Die tägliche Ruhezeit muss mindestens 11 Stunden betragen.
Die Ausbildung zum Berufskraftfahrer (siehe unten) ist keine Voraussetzung, wohl aber ein entsprechender Führerschein. Mit dem PKW-Führerschein (Klasse B) dürfen nämlich nur Fahrzeuge mit maximal 3,5 Tonnen Gesamtgewicht gefahren werden. Für LKW sind die Führerscheine C oder C1 nötig.

Dabei umfasst der Führerschein C1 Fahrzeuge mit einem Gewicht von maximal 7,5 Tonnen, C auch schwerere Fahrzeuge. Beide erlauben allerdings keine Anhänger von mehr als 750 Kilogramm, dafür sind Führerscheine der Klasse C1E und CE nötig. Zum Fahren der auf den Autobahnen allgegenwärtigen schweren Sattelzüge ist also ein Führerschein der Klasse CE Voraussetzung.
Wer seinen Führerschein vor 1999 gemacht hat (Führerscheinklasse 3), darf Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen mit Anhänger fahren, wenn das Gesamtgewicht 12 Tonnen nicht übersteigt. Das entspricht der Führerscheinklasse C1E.
Die Arbeitsmarktchancen sind gut. Allein zwischen 2017 und 2021 stieg die Zahl der Beschäftigten um rund 5 Prozent. Allerdings liegen die Gehälter eher im unteren Bereich. Die Bundesagentur für Arbeit gibt ein Medianeinkommen von 2.600 Euro an, das bedeutet, die Hälfte verdient mehr, die andere weniger als diesen Betrag.
Sie sind im Stadtbild in den letzten Jahren immer häufiger zu sehen: Paket- und Kurierfahrzeuge der unterschiedlichen Anbieter. Ob DHL (Deutsche Post), Hermes oder DPD, die Branche profitiert vom Boom des Online-Handels. Ein Ende des Booms bzw. eine gegenläufige Entwicklung ist nicht abzusehen.
Als Amazon seinen eigenen Versandservice aufbaute, wurden keine eigenen Beschäftigten eingestellt, sondern Subunternehmen beauftragt. Damit steht der US-Gigant aber nicht allein, auch die Konkurrenz arbeitet oft mit Subunternehmen zusammen. Viele Fahrer arbeiten deshalb auf selbständiger Basis, sie werden nach ausgelieferten Paketen bezahlt. Einige Anbieter wie DHL beschäftigten aber auch eigenes Personal. Die Mehrzahl der Kurierfahrer ist aber nicht bei den großen, bekannten Unternehmen angestellt, sondern arbeitet für kleinere oder mittelgroße Firmen, die als lokale und regionale Lieferpartner von Unternehmen wie DPD oder Amazon tätig sind. Daher können sich die Arbeitskonditionen deutlich unterscheiden.
Größter Pluspunkt der Kurierdienste ist die Offenheit für den Quereinstieg. Die meisten verlangen nur einen Führerschein der Klasse B, also für PKW bzw. Fahrzeuge mit maximal 3,5 Tonnen Gesamtgewicht. Auch eine Ausbildung zum Berufskraft- oder Servicefahrer ist keine Voraussetzung.
Die Bezahlung liegt allerdings eher im unteren Bereich. Selbst für den Ausbildungsberuf des Servicefahrers gibt der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit nur ein mittleres Bruttoeinkommen von knapp 2.200 Euro an. Das liegt deutlich unter dem Durchschnitt aller Berufe.
LKW- und Kurierfahrer sind überwiegend der erste Gedanke beim Thema „Berufe im Straßenverkehr“, seltener dagegen der Bereich der Fahrzeugüberführung. Dabei bietet dieser Bereich ebenfalls interessante Arbeitsplätze.

Es gibt viele Gründe, warum ein Fahrzeug etwa von Nürnberg nach Dresden oder von Hamburg nach Berlin gefahren werden soll. Beispielsweise hat ein Autoverleih zu viele Fahrzeuge an einem Standort, ein Auto wurde bei einem Händler in einer anderen Stadt gekauft, es findet eine Rückholung aus dem Ausland statt oder die Überführung von einer Werkstatt zum Kunden. In solchen Fällen werden häufig keine Autotransporte per Bahn oder LKW genutzt, sondern die sogenannte „Eigenachsüberführung“. Das bedeutet, ein Fahrer fährt das Auto an den neuen Standort. Zum Job gehört dabei neben der Überführung selbst meist auch die zeitliche bzw. Routenplanung sowie die Protokollierung des Zustands des Autos.
Im Bereich der Fahrzeugüberführung Jobs zu finden ist einfach, denn die Zugangsvoraussetzungen sind niedrig und die Nachfrage hoch. Nötig ist ein Führerschein der Klasse B (PKW). Daher eignet sich diese Tätigkeit perfekt für den Quereinstieg sowie als Aushilfstätigkeit für Studenten oder Rentner. Wer über einen C1- oder gar C-Führerschein verfügt, der kann auch Lastwagen überführen und dabei möglicherweise etwas mehr verdienen.
Die Bezahlung erfolgt oft in Abhängigkeit von der Strecke. Wichtig ist, dass der Auftraggeber die Rückreise und – wenn nötig – die Hotelübernachtung bezahlen muss. Oftmals werden allerdings Fahrten als Hin- und Rückauftrag kombiniert, sodass der Fahrer auf der Rückfahrt gleich den nächsten Auftrag ausführen kann.
Gute Arbeitgeber sponsern ihren Beschäftigten manchmal sogar eine BahnCard, die dann auch privat verwendet werden darf.
Nicht nur Fracht, auch Personen wollen befördert werden. Entweder in Bussen und Großraumfahrzeugen oder auch einzeln in Taxis und Mietwagen mit Chauffeur. Wer Personen gewerblich befördern will, benötigt grundsätzlich eine Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung (FzF), auch als Personenbeförderungsschein oder P-Schein bekannt.
Im Busführerschein ist der P-Schein allerdings bereits enthalten, mit einem Führerschein der Klasse D entfällt also die Notwendigkeit eines P-Scheins. Einzige Ausnahme sind Taxis, hier ist er immer notwendig.
Dafür ist für das Fahren von Rettungsfahrzeugen kein P-Schein notwendig, wenn es sich um Fahrzeuge der Bundeswehr, des Katastrophenschutzes, der Feuerwehr oder anderer staatlich anerkannter Einrichtungen handelt.

Busse werden sowohl im Linien- als auch im Charterverkehr eingesetzt. Wer bei einem privaten Omnibus-Unternehmen arbeitet, fährt oft beides. Dann steuert man am Morgen den Schulbus und am Wochenende den Reisebus mit Ausflüglern.
Vor allem in Großstädten gibt es oft dichte Busliniennetze. Beschäftigte dort arbeiten meist im Schichtbetrieb und sind nicht selten im öffentlichen Dienst angestellt.
Wer mehr als acht Fahrgäste mitnehmen will, benötigt dafür einen Busführerschein (Führerscheinklasse D). Für Kleinbusse mit mehr als acht, aber maximal 16 Fahrgast-Plätzen, gibt es den Führerschein D1. Wie bei den LKW-Führerscheinen auch, dürfen maximal Anhänger bis 750 Kilogramm gefahren werden, sonst muss der Führerschein D1E oder DE erworben werden.
Grundsätzlich steht der Beruf auch Quereinsteigern offen. Vor allem Stadtwerke bzw. kommunale Verkehrsbetriebe bilden oft auch aus, vorwiegend als Fachkraft im Fahrbetrieb (siehe unten). Auch Berufskraftfahrer werden gerne gesehen, Einstellungsvoraussetzung ist diese Ausbildung aber mehrheitlich nicht.
Mit 3.000 Euro liegt das mittlere Bruttogehalt für Busfahrer ungefähr im Durchschnitt aller Berufe. Vor allem im öffentlichen Dienst können noch Extras wie eine Zusatzrente hinzukommen.

Dass die Taxis durch Mietwagen mit Chauffeur Konkurrenz bekommen, ist zwar nicht neu, allerdings haben Apps, etwa von Uber, den Wettbewerb deutlich verschärft. Grundsätzlich benötigten auch diese Fahrer einen Personenbeförderungsschein (P-Schein) und natürlich einen Führerschein.
Taxifahrer können auf eigene Rechnung oder aber angestellt für ein Taxiunternehmen fahren. Im ersten Fall ist ihre Bezahlung vom Umsatz abhängig, im zweiten Fall meist festgeschrieben. Wer dagegen für Unternehmen wie Uber fährt, muss aufgrund der in Deutschland komplizierten Rechtslage entweder selbstständiger Mietwagenunternehmer sein, bzw. ein solches Unternehmen gründen, oder als angestellter Fahrer bei einem solchen Partner-Unternehmen arbeiten.
Unternehmen wie Uber sehen sich als Vermittler und behalten einen festen Anteil vom Umsatz der Fahrer bzw. Partner ein. Allerdings müssen vom Umsatz, der dem Partner übrig bleibt, auch noch die eigenen Kosten wie Benzin, Versicherungen und das Fahrzeug bezahlt werden.
Wie viel man in diesem Job verdient, ist deshalb nur schwer festzumachen. Wer kein Problem damit hat, nachts betrunkene Partygänger nach Hause zu fahren, verdient mehr als jemand, der sich auf die weniger unangenehmen Schichten zwischen 9.00 und 18.00 Uhr beschränkt.
Das Einkommen ist meist eher unterdurchschnittlich. Allerdings erhalten die Fahrer auch Trinkgelder. Das erhöht nicht nur das Einkommen, diese sind außerdem steuerfrei.
Grundsätzlich gibt es vier wichtige Zugangswege zu Berufen im Straßenverkehr, nämlich
Viele Beschäftigte im Transportgewerbe haben keine Ausbildung in diesem Bereich. Die meisten Betriebe suche aktuell händeringend Fachkräfte, eine abgeschlossene Ausbildung ist deshalb für eine Einstellung überwiegend nicht zwingend notwendig. Eine fachliche Ausbildung wird allerdings gerne gesehen und ist gerade für junge Menschen oft empfehlenswert, besonders wenn die Tätigkeit als Vollzeitstelle dauerhaft ausgeübt werden soll. Eine abgeschlossene Ausbildung bedeutet oftmals einen Unterschied bei der Entlohnung und den Aufstiegschancen und bringt auch Vorteile bei einem späteren Jobwechsel. Das gilt nicht nur für Tätigkeiten als Fahrer. Auch wer später im Büro oder beispielsweise bei der Organisation des Fahrbetriebs arbeiten will oder muss, hat oft Vorteile wenn er eine Berufsausbildung vorweisen kann.
Ein großer Pluspunkt aller drei im Folgenden vorgestellten Ausbildungen ist, dass kein bestimmter Bildungsabschluss vorausgesetzt wird. Immerhin 8 Prozent der Azubis im Beruf des Servicefahrers und 5 Prozent im Beruf Berufskraftfahrer haben überhaupt keinen Schulabschluss. Mehr als 50 Prozent in beiden Berufen haben die Hauptschule absolviert, rund ein Drittel hat die Mittlere Reife oder Abitur. Nur bei der Fachkraft im Fahrbetrieb ist ein mittlerer Schulabschluss die Regel. Voraussetzung ist er allerdings nicht.
Servicefahrer liefern meist nicht nur aus, sondern übernehmen oft auch einen Teil der Service-Aufgaben zwischen der Firma und dem Kunden. Typische Branchen sind daher nicht nur Post- und Kurierdienste, sondern beispielsweise auch Automatenbetreiber, Berufsbekleidungsservice, Vermietung und Verleih, Hygienedienstleistungen oder die Lebensmittelversorgung.
In der Regel benötigt man als Servicefahrer nur Führerschein Klasse B, darf damit dann aber, im Gegensatz zu Berufskraftfahrern, nur Kleintransporter mit bis zu 3,5 Tonnen Gewicht fahren. Die Ausbildung dauert zwei Jahre und umfast auch Bereiche wie Termin- und Tourenplanung, Ladungssicherung, den logistischen Umgang mit Waren, Zahlungsvorgänge und natürlich den serviceorientierten Umgang mit Kunden.
Wer auch LKW oder Bus fahren will, für den ist die Ausbildung zum Berufskraftfahrer die geeignete Wahl. Diese duale Ausbildung dauert mit drei Jahren ein Jahr länger als die Ausbildung zum Servicefahrer und ist noch stärker auf den Fahrbetrieb selbst ausgerichtet. Zum Unterricht gehören Inhalte aus den Bereichen Verkehrssicherheit, Rechtsvorschriften, Logistik, Kostenrechnung, Arbeitsschutz, Qualitätssicherung, Fahrzeugkunde bzw. Wartung und Pflege und vieles mehr.

Die Fachkraft im Fahrbetrieb findet sich vorwiegend im öffentlichen Dienst und meist hinter dem Lenkrad eines Busses, aber auch einer Straßen- oder U-Bahn. Diese Ausbildung wird vor allem von kommunalen Verkehrsbetrieben wie der BVG in Berlin, der Hamburger Hochbahn AG oder der MVG in München angeboten.
Die Ausbildung zur Fachkraft im Fahrbetrieb enthält auch zahlreiche kaufmännische Inhalte, denn sie bereitet nicht nur auf einen Einsatz hinter dem Steuer eines Busses vor, sondern auch für die Arbeit im Innendienst, etwa im Marketing oder bei der Routen- und der Personalplanung. Das eröffnet auch die Chance, später den Aufgabenbereich zu wechseln.
Im Gegensatz zu den Ausbildungen zum Service- oder Berufskraftfahrer hat die Mehrheit der Auszubildenden hier die Mittlere Reife als höchsten Abschluss, nämlich über 50 Prozent. Etwas mehr als ein Fünftel hat die Hauptschule absolviert, noch etwas mehr haben sogar Abitur. Der Anteil der Frauen ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen.
Wie lange wird es noch Bus-, Taxi- oder LKW-Fahrer geben? Das weiß niemand, denn es ist absehbar, dass das autonome Fahren kommen wird. Bis die Mehrzahl der Fahrzeuge ganz alleine fährt, wird es aber vermutlich noch viele Jahre dauern. Bei einem Jobwechsel ist eine abgeschlossene Ausbildung von Vorteil, selbst wenn eine Tätigkeit in einem ganz neuen Gebiet angestrebt wird.
Der Straßenverkehr bietet viele Jobs, auch ohne Ausbildung. Daher eignet sich dieser Bereich gut für Aushilfstätigkeiten und den Wiedereinstieg ins Berufsleben nach Krankheit, Kinderpause oder Arbeitslosigkeit. Auch wer im Alter noch seinen Beruf wechseln will oder muss, sollte über diese Branche nachdenken. Während viele Firmen Bewerbungen von Menschen über 45 kaum noch eine Chance geben, profitieren Ältere hier davon, dass sie ihren Führerschein meist vor 1999 gemacht haben und damit sogar Lastwagen bis 7,5 Tonnen fahren dürfen.